Antragsteller
Schleswig-Holsteinische Gesellschaft für Einrichtungen der Jugendpflege e.V.
Beantragte Förderung
8.779,93 € / 24,75 % der zuwendungsfähigen Kosten / Die öffentliche Kofinanzierung in Höhe von 20,25 % wird getragen durch die Kirchengemeinde Krusendorf.
Durchführungszeitraum
April 2010 - April 2011
Projektbeschreibung
Das Mausoleum von Noer, ein herrlicher, schmucker oktogonaler Kuppelbau im Stil der oberitalienischen Renaissance, steht inmitten des alten Baumbestandes des Noerer Schlossparks. Die Denkmalschutzbehörde des Landes Schleswig - Holstein hat das Bauwerk als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung" eingestuft - dafür gibt es gute Gründe:
Viele architektonische Elemente der Außenfassade zeichnen sich durch eine besonders aussagekräftige und vielfältige Symbolik aus.
Das Mausoleum ist die letzte Ruhestätte von Friedrich Christian Carl August Graf von Noer (1830 - 1881) und seiner Ehefrau Gräfin Carmelita, geb. Eisenblat (1848 - 1912). Hinter den Namen verbirgt sich ein interessantes Schicksal: Der Adelige war ein anerkannter Wissenschaftler im Bereich Sanskrit / Geschichte Indiens und Verfasser einer zweibändigen Biographie über den indischen Kaiser Akbar (1542 - 1605). Seine in Venezuela geborene Frau war die Tochter eines Hamburger Kaufmanns. Um eine Bürgerliche heiraten zu können, verzichtete Friedrich Christian auf seinen
angestammten Titel eines Prinzen von Noer und ließ sich mit Einwilligung Kaiser Wilhelms I. in den Rang eines Grafen herabstufen.
Das Mausoleum wurde zwischen 1882 und 1885 nach den Entwürfen des Architekten Heinrich Moldenschardt errichtet, eines Schülers des berühmten Gottfried Semper. Architektonische Anklänge an den weltbekannten Dresdener Opernbau finden sich in vielen gestalterischen Details im Innenbereich des Gebäudes. Beispielhaft sei auf die Marmor imitierende Ausführung des Sockelbereiches, auf die Stuccolustro-Technik, die Schablonenmalerei sowie die Ausmalung der Kuppelfelder und der Gurtbögen verwiesen.
Das Gebäude ist in vielfältiger Hinsicht nicht nur einmalig im Bereich der AktivRegion, sondern auch weit darüber hinaus:
- Es besticht nicht nur durch das Niveau seiner architektonischen Gestaltung, es ist auch steinernes Zeugnis einer großen Liebe.
- Das Mausoleum hat einen ausgeprägten lokalen Bezug, denn das Geschlecht derer von Noer hat die Geschicke des Ortes und des Gutes Noer bis in die Gegenwart nachhaltig bestimmt.
- Über die Grenzen der Gemeinde Noer hinaus ist das Mausoleum beredtes Zeugnis für eine ereignisreiche Epoche der Geschichte des Dänischen Wohldes und der Herzogtümer Schleswig und Holstein.
- Die Stilelemente des Innen- und Außenbereiches sowie die Anklänge an die Semperoper in Dresden, immerhin ein Gebäude von Weltrang, sind von einmaliger Bedeutung für die unmittelbare Umgebung, dürften aber auch Strahlkraft für interessierte Besucher aus anderen Regionen entwickeln.
- Die Bauten des Architekten Heinrich Moldenschardt prägten in den letzten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts nachhaltig das Erscheinungsbild der aufstrebenden Marinestadt Kiel. Viele seiner Bauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, einige wenige sind jedoch erhalten geblieben, darunter dieses Mausoleum und ein weiteres in der Gemeinde Dänischenhagen.
- Das Grabdenkmal im Schlosspark von Noer blieb lange Jahre unbeachtet - wohl in erster Linie aus Unkenntnis über seinen architekturgeschichtlichen Rang. Denn wenn man es erst entdeckt hat und seine Gesamterscheinung sowie die Details des Innenbereiches zu würdigen vermag, ist sowohl der architekturgeschichtliche Laie als auch der sachkundige Fachmann von der großen Ausdruckskraft der Stilelemente gefangen.
- Nicht zuletzt ist das Gebäude Beleg für die vorzügliche Arbeit der Handwerker aus unserer Region, die seinerzeit das Bauwerk mit viel Sorgfalt errichtet haben und es in der Gegenwart durch sachkundige Restaurierung wieder in altem Glanz entstehen lassen.
Schon jetzt gibt es Pläne, die Natur- und Landschaftsführer im Rahmen ihrer Ausbildung (übrigens auch ein Projekt der AktivRegion) zu diesem Mausoleum zu führen und sie dadurch in die Lage zu versetzen, ihren Besuchergruppen eine besondere architektonische Attraktion präsentieren zu können.
Touristen, bautechnisch Interessierte und Kenner der Kunst- und Architekturgeschichte aus ganz Deutschland werden entzückt sein, in einer kleinen Gemeinde des Dänischen Wohldes dieses einmalige Bauwerk vorzufinden.
Sollte es nach Abschluss der Sanierung und Restaurierung der Außenfassade gelingen, auch den Innenbereich wieder in alter Schönheit präsentieren zu können, dürfte sich die touristische Anziehungskraft des Denkmals noch deutlich verstärken. In diesem Fall könnte die Einbeziehung des Mausoleums in ein lokales und regionales Tourismuskonzept Teil eines künftigen Projektes der AktivRegion sein.
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