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Gute Aussichten für die Aktivregion Drucken
Felm. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte sich für Dienstagabend im Dörpshus angekündigt, um mit Bürgern aus der AktivRegion über die Arbeit im "Hügelland am Ostseestrand" zu diskutieren. Entsprechend groß war der Andrang - und die Enttäuschung, als statt seiner Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf auf der Bühne erschien, weil der Landesvater erkrankt war. Doch Rumpf hatte die Zuhörer schnell für sich eingenommen.
Nach einer herzlichen Begrüßung von Bürgermeister Friedrich Suhr "op Platt" fanden alle Beteiligten in der Begegnungsstätte, die dank finanzieller Unterstützung der AktivRegion gebaut werden konnte, rasch ins Thema. Moderator Wolfgang Henze, der die 21 AktivRegionen im Land seit drei Jahren für unsere Zeitung begleitet, lenkte den Blick zunächst auf das, was bisher erreicht worden ist. Die Ministerin erinnerte an die Anfänge, als es zunächst für die Menschen im Land galt, sich in den neu gesteckten Grenzen zu bewegen. Doch es sei schnell ein Wir-Gefühl entstanden. Rumpf: "Die Menschen spüren, was die AktivRegionen für sie bewirken können." Das sei vor allem den Menschen zu verdanken, die sie verkörperten. Das "Hügelland am Ostseestrand", die einzige Aktiv-Region, die mit Christiane Ostermeyer eine weibliche Vorsitzende hat, habe Motoren in ihren Reihen, die für Projekte kämpften und Überzeugungsarbeit leisteten, sie sei von Aktivität geprägt, lobte Rumpf. Dass dort auch in Zukunft viel passieren werde - daran hatte sie keinen Zweifel.
Etwas dazu beisteuern würde gern der Damendorfer Uwe Gripp, Vertreter der Bildenden Kunst. Er habe sehr schöne Ideen, die die Kunstobjekte mit Funktionen verbinden und die eine Bereicherung auch für den Tourismus böten, erklärte er. Doch machten die Vergabe strukturen seine Projekte schwierig, wenn nicht unmöglich. "Das ist äußerst schade", stellte Gripp fest und bedauerte, dass so die Chance verloren gehe, die Region einzigartig hervorzuheben. "Sie sprechen vielen Menschen aus der Seele", entgegnete Rumpf. Für viele bedeuten die Richtlinien einen undurchdringlichen Dschungel. Sie warb dafür, sich mit Ideen an Regionalmanager Max Triphaus zu wenden. Er wisse, wie ein Projekt in der Richtlinienvielfalt umzusetzen ist. "Ich kann Ihnen keine Hoffnung machen, dass es künftig einfacher wird", stellte Rumpf klar.
Ähnlich fiel die Antwort auf den Einwand von Bürgermeister Suhr aus, ob der enorme Bürokratieaufwand nicht reduziert werden könne. "Die Bürokratie quält alle", sagte Rumpf und gestand, dass sie die Hoffnung auf eine Verbesserung aufgegeben habe. Die ersten Entwürfe künftiger Regelungen aus Brüssel bestätigten das.
Positiver fiel die Auskunft zur Co-Finanzierung von Projekten aus, die in Zeiten knapper Kassen immer schwieriger für die Kommunen werde, führte Volker Clauß, Bürgervorsteher in Altenholz, aus. Die Ministerin stellte eine "deutliche Anhebung" von derzeit 50 bis 55 Prozent auf 80 Prozent Förderung in Aussicht. Außerdem würden die Regionen künftig verschiedene Fördermittel für die Umsetzung von Zielen nutzen können. Rumpf: "Das wird eine große Entlastung für die Kommunen bringen."
In der Debatte um mögliche neue Projekte meldete sich auch Hans-Claus Schnack, Bürgermeister in Klein Wittensee, zu Wort. Der viertgrößte See im Land leide seit Jahren an der Wasserqualität, die durch Einleitungen der intensiven und aktiven Landwirtschaft beeinträchtigt werde. Er regte an, auf Landes- und Kreisebene gemeinsam mit dem Bauernverband und den Landwirten nach einer Möglichkeiten zu suchen, die Wässer, die den See belasten, abzufangen, und bat darum, Mittel dafür bereitgestellt zu bekommen. Das könnte über eine Modellregion Wittensee passieren, skizzierte Rumpf. So könnten gemeinsam mit dem Bauernverband und der Landwirtschaftskammer Regeln formuliert werden, so dass zum Beispiel im Spätherbst keine Gülle mehr ausgebracht wird.
Doch nicht nur Anregungen für neue Projekte kamen aufs Tableau. Die Bürger nutzten den Abend mit der Ministerin auch, um ihrem Ärger über Fehlentwicklungen im Land Luft zu machen. Christiane Ostermeyer wollte wissen, ob dem zunehmenden Maisanbau für die Biogasanlagen Einhalt geboten wird. "Die Problematik ist extrem im Norden des Landes, aber auch hier werde ich immer mehr von den Menschen darauf angesprochen", räumte Rumpf ein, die in Sehestedt zuhause ist. In der Vergangenheit seien falsche Anreize gegeben worden, mit der Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) solle umgesteuert werden. So würden künftig nur noch solche Anlagen gefördert, die nicht mehr als 60 Prozent Mais (so genannter Maisdeckel) nutzen und ein Wärmekonzept haben. Zuckerrüben fänden zunehmend Verwendung für die Anlagen, und auch Gülle solle künftig sehr viel stärker zum Einsatz kommen. "Wir brauchen die Biogasanlagen wegen ihrer Speicher- und Regelfähigkeit unter den regenerativen Energien", machte Rumpf deutlich. "Wir brauchen auch Energie, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint." Sie werde das Thema im Auge behalten: "Wir bleiben da dran."
Keine Versprechungen konnte sie Ulrike Witthöft aus Felmerholz machen, die bemängelte, dass es keine Zuschüsse vom Kreis mehr gibt für den Bau eines Radwegs zwischen Felm und Felmerholz sowie zwischen Rathmannsdorf und Altenholz. "Es ist nicht ungefährlich, dort auf der Straße Rad zu fahren", machte Witthöft deutlich und mahnte an, wie lange die Gemeinde schon auf eine Lösung wartet. Es sei ein schwieriges Thema, gestand Rumpf, gerade wenn die öffentlichen Haushalte auf allen Ebenen konsolidiert werden müssten. Sie sagte jedoch zu, einen entsprechenden Hinweis ans Wirtschaftsministerium weiterzuleiten.
Mit Blick auf das Ende der Förderperiode zeigte sich Rumpf optimistisch, "dass wir so weitermachen können". So wie sich die EU-Fördergeschichte entwickelt, biete sich eine große Chance - "die sollten wir nutzen". Bis zum Ablauf der ersten Periode stehen derzeit über den Health Check noch 18 Millionen Euro für Projekte in Zusammenhang mit Energieeinsparungen oder dem Klimawandel zur Verfügung. Anregungen, wie die abgerufen werden könnten, bietet die Projektgalerie im Internet - www.aktivregion-sh.de.